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08. Mai 2026

Wallenborn: Was die Eifel-Quelle wirklich birgt

Eine kohlensäurehaltige Mineralquelle, deren Name aus dem 18. Jahrhundert stammt. Eine geologische Besonderheit, deren Geschichte mit dem Jesuitenkollegium Münstereifel verknüpft ist. Und eine Lücke in den Akten, die niemand erklären kann.

Wer in der Vulkaneifel wandert, kennt das Gefühl: Die Landschaft scheint zu atmen. Maare — wassergefüllte Krater — liegen wie Augen in der Erde. Der Boden ist stellenweise warm. Aus dem Basalt drücken sich Gase nach oben, die seit dem Ende der letzten Eiszeit unterwegs sind.

In dieser Landschaft liegt Wallenborn, ein Dorf mit knapp 600 Einwohnern. Etwa 800 Meter südlich davon, am Fuß eines erloschenen Vulkans, sprudelt eine Quelle aus dunklem, fast schwarzem Basaltgestein. Sie heißt seit mindestens 250 Jahren Jesuitenquelle.

Was die Geologen sehen

Das Wasser tritt mit etwa 9°C aus dem Berg. Es ist mineralisch sehr dicht: Eisen, Calcium, Magnesium, Natron. Die CO₂-Konzentration ist hoch — daher das leichte Prickeln auf der Zunge. Die schwarze Farbe ist täuschend; sie kommt nicht vom Wasser, sondern von Algen, die sich auf dem Basalt angesiedelt haben.

Geochemisch ist die Quelle ein Lehrbuchbeispiel für eine postvulkanische Mineralquelle: Magma sitzt in einigen Kilometern Tiefe noch fest, kühlt langsam ab, gibt CO₂ frei. Dieses Gas migriert nach oben, löst auf dem Weg Mineralien aus dem Vulkangestein, und kommt mit ihnen vermischt als Wasser an die Oberfläche.

So weit, so unspektakulär.

Was die Akten sagen

In den Akten des Trierer Kurfürstentums wird die Quelle erstmals 1751 erwähnt — unter dem lateinischen Namen Fons Iesuitarum. Die kurze Notiz besagt: "Eine Mineralwasserquelle, von den Patres des Jesuiten-Kollegs Münstereifel als Wallfahrts-Station genutzt, mit heilsamer Wirkung gegen Magenleiden."

Das klingt nach einer banalen Erklärung. Patres reisen, finden eine Quelle, machen einen Wallfahrtsort daraus. Aber:

  • Das Jesuiten-Kolleg Münstereifel liegt 66 Kilometer von Wallenborn entfernt
  • Es gibt näher gelegene Mineralquellen, die als Wallfahrtsorte besser geeignet gewesen wären
  • Die Wallfahrt selbst wird nirgends sonst dokumentiert — keine Pilgerverzeichnisse, keine Gebets-Texte, keine Pilger-Münzen aus dem 18. Jh., keine Häuser an der Quelle

Es gibt nur einen einzigen dokumentierten Pilgerzug zur Jesuitenquelle: einen Eintrag im Jahr 1764, der von drei Patres spricht, die "zur Begutachtung" angereist seien. Sie blieben vier Tage und reisten dann ab.

Was sie begutachteten — wird nicht gesagt.

Was die Akten verschweigen

Hier wird es interessant. In den jesuitischen Generalakten in Rom — soweit sie nach 1773 noch zugänglich sind — gibt es eine Liste "deutscher Mineralquellen", die zwischen 1768 und 1773 mehrfach erwähnt wird. Die Liste enthält:

  1. Wallenborn (Eifel)
  2. Bad Peterstal (Schwarzwald)
  3. Bad Reichenhall (Salzburg-Umfeld)
  4. Bad Adelholzen (Oberbayern)
  5. Bad Salzbrunn (Schlesien)
  6. Marcial Waters (St. Petersburg-Umfeld)
  7. Sankt Moritz (Wallis-Umfeld)

Sieben Quellen.

Was diese sieben Standorte verbindet, wird in den Akten nicht erklärt. Die Liste taucht auf, sie wird kommentiert ("Die Bestätigungen liegen vor"), sie wird zur Diskussion gestellt — und sie verschwindet nach dem 14. September 1773 aus jeder Korrespondenz.

Wer kümmert sich heute?

Wallenborn ist ein offizieller geologischer Wanderpunkt. Es gibt Schautafeln, einen Wanderweg, ein paar Touristen pro Jahr. Die Quelle ist frei zugänglich. Du kannst hinwandern, dein Trinkwasser aus der Flasche schmecken, dich umschauen.

Es ist ein stiller Ort.

Aber wenn du im November dort bist — wenn das Wasser bei Niedrigwasser zurückgeht, was nur an wenigen Tagen im Jahr passiert — siehst du in der hinteren Wand der Quellgrotte einen Stein. Er ist kleiner als die anderen. Glatter. Er sieht aus, als hätte ihn jemand bearbeitet.

Was darauf steht, ist 250 Jahre lang vom Wasser ausgewaschen worden. Aber die Kerben sind noch tief genug, um vier Buchstaben zu erkennen:

P. K. H.

In dieser Reihe von Artikeln werden wir herausfinden, was die Buchstaben bedeuten.


Im nächsten Beitrag: Wer war Pater Konrad Hartmann — der erste der Verschwundenen?

Septem Fontes — Privata

Der Quellen-Brief

Ein seltener Brief aus der Welt der Sieben — er kommt, wenn eine der Quellen zu sprechen beginnt. Nie nach Plan. Nie belanglos.

  • Latein-Verse, Karten und Fragmente aus 1773 — wenn die Welt etwas preisgibt.
  • Eine stille Nachricht, sobald ein neues Buch die Quelle erreicht
  • Mehr nicht. Kein Lärm, kein Verkaufen — und jederzeit ein Schritt hinaus.